Chronik d. Kolonie

Geschichte unserer Kolonie -

Kleingärtnerbewegung

Die Geschichte der deutschen  Kleingärtnerbewegung  begann vor fast 200 Jahren , die ihren Ausgangspunkt 1814 in Kappeln an der Schlei hatte. Dort verpachtete der Pfarrer H. F. Chr. Schröder in Parzellen aufgeteiltes Pastoratsland an Garteninteressenten. Eine Gartenordnung wurde erstellt, der Pachtpreis festgesetzt und ein Vorstand gewählt – der erste deutsche Kleingärtnerverein war gegründet.

Ebenfalls im norddeutschen Raum entstanden ab 1820 die ersten Armengartenanlagen. Initiator war der Landgraf Carl von Hessen, der als Statthalter von Schleswig-Holstein das Elend der Unterprivilegierten durch Vergabe von Pachtland zwecks Anbau von Nahrungsmitteln mildern wollte. Doch waren die Armengärten nur eine von mehreren Ursprungslinien. Auch Gärten von Fabriken und Institutionen, die Arbeitergärten des Roten Kreuzes, die Berliner Laubenkolonisten, die Naturheilbewegung und die Schreberbewegung zählen zu den Wurzeln der Kleingärtnerbewegung.

Dauerkleingartenanlage Alt-Schönow

Chronik unseres Vereins

Bei uns werkeln 226 stolze und manchmal auch eigensinnige Kleingärtner. Das Säen, Unkrautzupfen (heißt heute Wildkraut oder auch „standortspezifische Spontanvegetation") und Ernten geht nun schon seit 70 Jahren so.

Das Bestehen der Kolonie sollte also Anlass sein, mal den Spaten und die Hacke ruhen zu lassen und statt dessen tüchtig zu feiern nach dem Motto „70 Jahre jung und kein bisschen leise". Leise ging es hier nie zu. Der Bau der angrenzenden „Telefunkensiedlung" ging einher mit der Gründung dieser Kleingartenkolonie.
Die Siedlung sollte den Mitarbeitern von Telefunken bezahlbaren Wohnraum bieten und die Kleingärten Obst und Gemüse.


Die „kleingärtnerische Nutzung" musste damals noch nicht angemahnt werden. Rasen, Rosen, Rhododendron und dergleichen waren nicht gefragt.
Kartoffeln, Kohl, Mohrrüben, Gurken, Kürbis, Äpfel, Birnen, Kirschen, Johannis-und Stachelbeeren wurden selbstverständlich angebaut. Und unter welchen Mühen. Saatgut so einfach aus dem Gartencenter -gab's nicht. Besorgen war das Wort. Wasser? Ja, aus der Pumpe in die Gießkanne. Laube kaufen? Von wegen. „Wer Gott vertraut und Bretter klaut, der hat 'ne billige Laube!" Nee, geklaut wurde natürlich nicht, aber -siehe oben -besorgt.


Nägel wurden gerade geklopft und sorgfältig aufbewahrt. Der, der zimmern konnte, half den Nachbarn. Und dann wurde gemeinsam gefeiert. Waren die Eltern verhindert, hat die Nachbarin auf die Gören aufgepasst.
Nun - nicht alles war rosig. Der Krieg begann. Die ersten waren ausgebombt und Telefunken
und Siemens haben geholfen. Sie gewährten günstige Darlehen zum Bau von Behelfsheimen:
Ein Zimmer Schlafen und Wohnen, eine Küche. Toilette draußen mit Herz in der Tür.

Das war kostenfreier Dünger für Tomaten u. ä. Strom konnte zur Verfügung gestellt werden.
Anschlussleistung 100 Watt!! Gekocht wurde in den Behelfsheimen mit Holz, das aus dem
nahen Waldgebiet in Kleinmachnow - besorgt - wurde. Eine entbehrungsreiche Zeit - aber
Kinder und Enkel dieser Siedler berichten von einer schönen Kindheit.

Diese endete jäh, als auf der Kolonie Flakstellungen errichtet wurden. Betonreste sind noch heute zu finden.
Der Krieg war endlich vorbei und die Wohnnot noch größer. Aber es gab aus den Ruinen
Steine zum Mauern. Heute noch in manchen Fundamenten - eine Umschreibung für
vorhandene Keller - zu finden. Also Bauen mit sehr dürftigen Mitteln - aber Laubenpieper
können so etwas. Einige dieser Behelfsheime stehen noch heute. Zwar reduziert in der Größe,
aber noch immer voll funktionsfähig.

Es begann nun die Zeit der Anbauten. Die Heime wurden größer dank Schwarzanbauten.
Der damalige Vorsitzende Zimmermann (1946-1952) hatte auch angebaut.
Ab 1953 rückte die Baupolizei allen Siedlern auf den Pelz und verlangte den Abriss und Auszug.
Nur - Wohnraum stand nicht zur Verfügung. Also sprach Zimmermann sogar beim
Bundesbauminister Paul Lücke vor, um eine Änderung und den Verbleib zu erreichen. Das
ganze schlug eine hohe Welle von Bonn nach Berlin, und ein Ortstermin mit den lokalen
Politikgrößen wurde anberaumt. Ergebnis: die damaligen Bewohner erhielten
Dauerwohnrecht.

Das Bundeskleingartengesetz hielt Einzug. Nicht die kleingärtnerische Nutzung war ein Thema,
sondern die Laube. Ohne Strom- und Wasseranschluss. Telefon schon gar nicht.
Und selbstverständlich alles nur in einfachster Ausführung. Das rief bei den gewieften
Laubenpiepern nur ein müdes Lächeln hervor.

Nach dem Anschluss des Grabelandes hatten nun 228 Pächter eine Parzelle. Die Entwicklung
ging weiter. Statt Freileitung für Strom nun Erdkabel für 7,5 KW Einzelanschluss,
Wasserleitungen in guter Dimension. Dies alles damals in Eigenleistung der Pächter - heute
wird schon beim Laubfegen im Rahmen der Gemeinschaftsarbeit geklagt. Zäune und Wege
wurden zeitgemäß angelegt. Der Grundstückseigentümer - der Bezirk - hatte die nötigen
Finanzmittel. Heute stehen für den gesamten Bezirk Steglitz-Zehlendorf jährlich 5.000,-- €
zur Verfügung. Die Zeiten ändern sich!



(Quelle: Auszug .. 70 Jahr Feier - Rede H-J Christof)